Oosterschelde Oversteek Holland 11.7.2015

Ruud Klerks steckte sich heuer ein ganz besonderes Ziel – eine Querung zwischen zwei Inseln in Holland.

Hier Ruuds Bericht:

Am Anfang des Jahres stöberte ich im Internet – auf der Suche nach interessanten Schwimmbewerben in seiner Heimat, den Niederlanden. Ich wollte einmal etwas anderes machen als Seen durchqueren. Da fiel mein Auge auf eine Oosterschelde Querung zwischen zwei Inseln in Zeeland im Südwesten der Niederlanden (Strijenham- Yerseke).  Herausforderung: 8,5 Kilometer in Salzwasser bei Wind, Wellen, Strömung und wenn man Pech hat, Quallen!

Das vorbereitende Training verlief nicht ganz nach Wunsch. Von Januar bis April konnte nur mit der angezogenen Handbremse trainiert werden, wegen einer Verletzung der Halswirbelsäule. Aber so bald das Freiwassertraining angefangen hat, wurde durchgebissen und längere Trainingseinheiten absolviert. Im Juni waren zufällig 9 Niederländer, die auch bei Oosterschelde Oversteek mitmachen würden, auf Trainingsurlaub in Kärnten. Zusammen mit Andre Stijkel organisierte Ruud Klerks für die ganze Gruppe und ein paar Österreichische Freunde eine Weissensee – Querung (11,5 km), die von fast allen erfolgreich absolviert wurde. Es folgten lange Trainingseinheiten von 5 – 7,5 km und das Selbstvertrauen stieg, aber irgendwie war da doch Nervosität, weil ich noch nie so eine lange Distanz im Salzwasser geschwommen bin. In den österreichischen Seen kann man ruhig einmal einen Schluck Wasser “nehmen”, bei Salzwasser ist das nicht empfehlenswert! Verpflichtet beim Bewerb ist das Schwimmen mit einer Safety Boy. Auch das musste trainiert werden, weil in Österreich dies nicht verpflichtet ist und nie genutzt wird. Per Email kommt das Briefing aus Holland. Man muss in einer “Kurve” schwimmen, um nicht von der Strömung weggedriftet zu werden. Als Markierungs-/Orientierungspunkte fungieren drei Boote, die man alle links umschwimmen muss. Schaut nicht so schwierig aus, aber die Praxis war anders.

Nach dem Socialman (Bericht siehe hier auf der Homepage) ging es Richtung Niederlanden. Ein paar Tage Familienbesuch und ein Training bei starkem Wind am Fluss. Dann Richtung Zeeland. Langsam steigt doch die Nervosität. Auch für mich ist in diesem Bewerb Vieles neu. Obwohl ich ab und zu eine Stunde im Salzwasser geschwommen bin, weiß ich nicht, wie das bei 2,5 bis 3 Stunden sein wird. Auch die Umstände in Zeeland können viel Einfluss haben (aufkommender Wind, Ebbe-Strömung, Wellen). Obwohl ich lange Strecke bis zu 24 km geschwommen bin, bin ich angespannt. Was kommt auf mich zu?

Am Samstag stehe ich um 09.00 Uhr im Hafen von Yerseke, von wo wir zum Startpunkt in Strijenham gebracht werden. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Sonnig, wenig Wind und das Meer sieht ruhig aus und so weit ich sehen kann, keine Quallen. Unterwegs zum Startpunkt werde ich noch kurz für ein Interview gefragt, was ich gerne mache. Man ist begeistert, dass Schwimmer aus anderen Ländern angereist sind, um mit zu machen. http://www.omroepzeeland.nl/video/2015-07-13/893280/oosterschelde-oversteek-2015 Unterwegs sehen wir noch eine Seerobbe, die hier ihre Ruhe sucht, heute leider vergeblich. Nach Ankunft in Strijenham beginnen die Vorbereitungen. Safety Boy mit Gels füllen und anschließend aufblasen. Einschmieren, Neopren anziehen, ‘einchecken’ und  einschwimmen. Auch die Wassertemperatur ist freundlich mit etwa 19-20 Grad. Orientierungspunkt ausmachen (das erste Boot sieht man nicht. deshalb Waldrand auf gegenüber liegendem Ufer als Punkt genommen.

11.30 Start. Einmal im Wasser sehe ich weder das erste Boot noch den Waldrand. Das Land ist soooo flach, dass man das Land bzw. den Waldrand am Horizont nicht sehen kann – Dann mal der Masse folgen! Glücklicherweise können wir das Führungsboot die ersten 1-2 km sehen. Das Meer ist ruhig, aber ich kämpfe mit immer wieder Wasser im meiner Schwimmbrille, was mir fast nie passiert. Ich muss mindestens 5-6 Mal die Brille abnehmen und neu aufsetzen, was mich aus dem Rhythmus bringt. Leider funktioniert auch mein GPS nicht, aber was soll es! Versuche bei einer Gruppe an zu schließen, aber sie schwimmen ziemlich zig-zag und entscheide dann doch meine Linie zu halten. Nach etwa 45 Minuten erreiche ich das erste Boot, wo man ein kleinen Knick nach Westen macht. Ab da geht es mir eine Zeit lang sehr gut, komme in einen guten Rhythmus und habe das Gefühl, dass ich dies durchziehen kann. Verunsichert werde ich durch eine große Gruppe Schwimmer, die weit rechts von mir schwimmen. Habe ich am falschen Orientierungspunkt angehalten, oder sind die falsch? Das zweite Boot sehe ich im ‘Wald’ der Begleitboote schon überhaupt nicht mehr und ein Kanufahrer  kann mir auch keine Auskunft geben, er sieht selbst nichts. Ich entscheide ein wenig weiter nach rechts zu schwimmen, aber bemerke nach etwa einem Kilometer, dass die Gruppe zu weit rechts schwimmt. Mittlerweile hat die Ebbe-Strömung eingesetzt, die leicht von rechts drückt. Meine Ideallinie ist dahin und ich muss immer weiter nach links gegen die Strömung schwimmen, um wieder auf Linie zu kommen. Beim zweiten Boot bin ich über 100 m zu weit nach rechts und muss voll gegen die Strömung, die jetzt gut spürbar ist, hinein schwimmen, um das Boot links zu umschwimmen. Was meine Zeit anbelangt bin ich noch einigermaßen auf Kurs. Für etwa 5 km bin ich bei 1.35 Stunde. Zwischen Boot 2 und 3 ist es wirklich ein Kampf. Die Strömung wird immer stärker und man muss immer wieder dagegen hinein ‘drucken’, um einigermaßen die Linie zu halten. Ich entscheide etwas mehr nach links zu schwimmen, damit ich beim dritten Boot nicht wieder gegen diesen Strom schwimmen muss, weil langsam wird der so stark, dass es nicht mehr gelingt. Gleichzeitig kommt ein starker Wind auf und das Meer wird unruhig. Wellen, die zwar nicht so hoch sind, aber lästig. Mein Safety Boy schwimmt mittlerweile rechts von mir, weggedruckt durch die Strömung. Ab und zu kommt Verzweiflung auf. Immer wieder muss ich gegen den Strom hinein drücken, knapp umrunde ich das dritte Boot und begebe mich auf dem letzten Kilometer mit dem Strom mit, herrlich denke ich! Aber stelle schnell fest, dass die Strömung von der einen Seite und Wind von der anderen Seite Wellen verursachen, lästige Wellen und statt herrliches Strom-mit-Schwimmen ist es noch immer ein Kampf! Kurz vor dem Ziel müssen wir links in die Strandbucht einbiegen, was bei dieser Strömung auch nicht leicht ist. Man lässt sich leicht mitführen. Später höre ich, dass 30 von 140 Starter es nicht geschafft haben, hauptsächlich wegen der Strömung. Wenn man das letzte Boot oder die Bucht verpasst, landet man irgendwo. Glücklicherweise ist für Sicherheit gesorgt und die Schwimmer werden rechtzeitig aus dem Wasser gefischt.

In einer Zeit von 2.43 Stunde und als 63. von 140 Startern erreiche ich das Finish, wo Manuela und Familie auf mich warten. Ich bin leer, leer gekämpft gegen das Meer und muss erkennen, dass im Meer schwimmen ganz etwas anderes ist als in unseren glasklaren Seen mit Trinkwasser. Die Arme tun wirklich weh vom gegen den Strom hinein schwimmen, der Kopf ist leer und kann im ersten Moment das Erreichte noch nicht genießen. Lass mich von meinem Supporter versorgen, stelle fest, dass meine Weissenseekumpels ungefähr gleich mit mir aus dem Wasser gekommen sind und lecke meine Wunden nach dem Streit mit dem Meer – Nacken ganz aufgescheuert, Schulter tut weh und bin hundsmüde! Erst nach und nach wird mir bewusst, dass ich es doch recht gut geschwommen bin. Alle Hobby-Schwimmer haben gekämpft mit der Strömung. Ich habe viel dazu gelernt. Bin sicher fast 9 km geschwommen und hätte gerne auf meiner GPS Uhr meinen zig-zag Kurs angeschaut.

…. Ärmelkanal? Haben mich einige gefragt. Nein, ich gebe zu, dass ich dafür nicht geboren bin. Ich bin schon froh, dies geschafft zu haben und trotz Schmerzen, die langsam heilen, kann ich mit einen zufriedenen Gefühl zurück schauen. Habe immer mehr Respekt für Schwimmer, die lange Distanzen im Meer bewältigen. Und ich bin froh, wieder in unseren schönen ‘Badewannen’ mit Trinkwasserqualität und Bergumrahmung schwimmen zu können.

Auf zu 10 km am Hallstättersee in August!
euer Ruud Klerks